Zur Finanzierung eines Hauskaufes werden von Bausparkassen gerne Kombinationen aus Darlehens- und Bausparverträgen angeboten. Dabei zahlt der Kunde lediglich die Zinsen des aufgenommenen Darlehens. Statt der Tilgung bespart er einen Bausparvertrag, unter dem er einen im Vergleich zu typischen Einlagen geringeren Zins erhält. Häufig wird in den Bausparbedingungen noch die Zahlung eines zusätzlichen Bonuszinses versprochen, falls der Kunde das Darlehen unter dem Bausparvertrag nicht abruft. Gleichwohl bestehen Bausparkassen in der Praxis zuletzt regelmäßig auf den Abruf des Bauspardarlehen, um das ursprünglich aufgenommene Darlehen abzulösen.

Gerade für Kunden, die Bausparverträge Ender 1990er und Anfang bis Mitter der 2000er Jahre abgeschlossen haben, kann dies gleich dreifach nachteilig sein: Nicht nur haben sie in der Sparphase einen geringeren Zins erhalten. Dazu sind die unter dem Bausparvertrag vereinbarten Darlehenszinsen regelmäßig um ein Vielfaches höher als die gegenwärtigen Darlehenszinsen vergleichbarer Finanzierungen. Und obendrein verweigert die Bausparkasse die Zahlung des vereinbarten Bonuszinses, da man ja „zum Abruf des Bauspardarlehens verpflichtet sei“.

Eine solche Verpflichtung besteht nach Ansicht von Gerichten aber nicht: vielmehr sichert sich der Bausparer durch Abschluss des Bausparvertrages das Recht, ein Darlehen zu vergünstigten Konditionen abzurufen. In einer Entscheidung hat das LG Aachen nun erneut herausgestellt, dass es dem Bausparer grundsätzlich freistehe, das Darlehen nach Zuteilungsreife abzurufen oder nicht (LG Aachen, Urteil v. 19.05.2015)

 

Bewertung

Auch wenn dieser Umstand für das Urteil nicht entscheidungserheblich war, verdeutlicht es doch, dass das Vorgehen von Bausparkassen in solchen Fällen unzulässig ist: der Kunde der Bausparkasse hat sich mit Abschluss des Bausparvertrages eine Option „erkauft“ und hierfür bezahlt, indem er geringere Sparzinsen erhalten hat. Also muss er auch das Recht haben, diese Option nicht auszuüben, wenn dies für Ihn wirtschaftlich nachteilig ist, weil die Zinsen des Bauspardarlehens im Vergleich zum Marktzins zu teuer sind.